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In Deutschland werden jeden Tag 56 ha (79 Fußballfelder) verbraucht: für Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen.

Pro Tag werden allein in Bayern über 10 ha (das entspricht in etwa 14 Fußballfeldern) versiegelt. Bis 2030 sollten "nur" noch 5 ha betoniert werden, aber das ist nur ein Richtwert: Das Ganze basiert auf Freiwilligkeit. So wird weiterhin pro Jahr eine Fläche halb so groß wie der Chiemsee der Natur geraubt - und das in Zeiten des Klimawandels!

Wenn wir es ernst meinen mit dem Arten- und Klimaschutz, muss dieser Trend schleunigst beendet werden. Böden sind die Grundlage unserer Lebensmittel und ein entscheidender Faktor für den Erhalt unserer Biodiversität, sie filtern und speichern Wasser, trennen Schadstoffe ab und verringern die Gefahr von Hochwasser. Gesunde Böden helfen, Dürreperioden besser zu überstehen und sind wertvolle CO2-Speicher. Trotz eindringlicher Warnungen von WissenschaftlerInnen und ExpertInnen gibt es in der EU bisher kein einheitliches Vorgehen beim Bodenschutz. Ein gesamt-europäisches Projekt wie der Green Deal braucht einen gesamteuropäischen Bodenschutz. Nur wenn die Bedeutung des Bodens für den Klimaschutz, die Wiederherstellung der Biodiversität, der Lebensmittelsicherheit ... erkannt wird, werden nicht immer weiter frische Flächen verbraucht.

Vergesst die Fußballfelder!

Auf der Hitliste der verdrängten Probleme hat der tägliche Flächenverbrauch einen Stammplatz. Der offizielle Zielkatalog der Bundesregierung, genannt „Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“, möchte 30 ha pro Tag erreichen. Aktuell verschwinden aber 60 ha täglich unter Beton und Asphalt. Gerne wird zur Beschreibung des Problems die Maßeinheit „Fußballfeld“ verwendet: Rund 0,7 ha ist so ein Fußballfeld im Durchschnitt groß. In Deutschland werden also täglich 85 Fußballfelder den natürlichen Kreisläufen entzogen.

Wie wäre es, wenn die Maßeinheit für Flächenverbrauch nicht mehr der Freizeitwelt entnommen würde, sondern etwas existenzieller ausfiele?

2000 m² Ackerfläche stehen bei einer Weltbevölkerung von 7 Milliarden Menschen jeder einzelnen Person zu. Wir verlieren also beim aktuellen Flächenverbrauch in Deutschland täglich die Ernährungsbasis von 300 Menschen. 300 x 365 macht 109 500. Gegenwärtig opfern wir also Jahr für Jahr die Ernährungsbasis einer kleinen Großstadt dem Wachstumswahn.

2000 m² ist übrigens nicht realistisch. Unser aktueller Lebensstil braucht viel mehr Fläche, weil viel Viehfutter, jede Menge Baumwolle und auch Biomasse für energetische und stoffliche Zwecke benötigt werden. Deshalb: Der Flächenverbrauch muss endlich auf die Hitliste der nicht mehr verdrängten Probleme!

                                                                           Bernhard G. Suttner